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Jüdische Theologie in Potsdam

Seit dem Wintersemester 2013/14 gibt es erstmals an einer deutschen Hochschule Jüdische Theologie als Studienfach. Fast zweihundert Jahre nachdem Abraham Geiger eine entsprechende Forderung formuliert hatte, bewegt sich die Jüdische Theologie damit auf akademischer Augenhöhe mit den christlichen Theologien und den neuen islamischen Zentren. Die School of Jewish Theology umfasst sieben Professuren, deren Lehre und Forschung der facettenreichen, mehr als dreitausendjährigen Geschichte des Judentums von der Antike bis zur Gegenwart verschrieben sind. Die Kernbereiche des Studiums der Jüdischen Theologie sind: Religionsphilosophie und Religionsgeschichte, Hebräische Bibel und Exegese, Talmud und Rabbinische Literatur, Halacha, Liturgie und Religionspraxis sowie Hebräisch und Aramäisch.

Unter dem Dach der Philosophischen Fakultät findet die School of Jewish Theology als Institut eigener Art einen besonderen Platz. Prof. Dr. Johann Hafner, der ehemalige Dekan der Philosophischen Fakultät: "Auf Potsdam fällt jetzt das Licht der Geschichte, weil hier zum ersten Mal an einer staatlichen Universität die konfessionelle Befassung mit dem Judentum auf akademischem Niveau möglich wird."

Der in Europa einmalige Bachelor und ab dem Sommersemester 2014 Masterstudiengang steht allen Interessierten unabhängig ihrer Religionszugehörigkeit offen. Er vermittelt neben den grundlegenden Kenntnissen des Judentums wesentliche akademische Fachkompetenzen und bietet zudem Einblicke in die jüdische Religionspraxis. Ein besonderes Interesse des Studienganges gilt der Vermittlung solider Sprachkenntnisse in Hebräisch und Aramäisch, um möglichst früh die Arbeit mit den Quellentexten zu fördern. Ein weiteres wichtiges Augenmerk liegt auf den Beziehungen zu anderen Religionen, insbesondere zum Christentum und zum Islam.

Für Studierende jüdischer Religionszugehörigkeit kann das Fach auch mit dem Schwerpunkt liberales Rabbinat, konservatives Rabbinat (Masorti) sowie Kantorat studiert werden. Mit dem Abraham Geiger Kolleg, dem Zacharias Frankel College sowie dem Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg verbindet uns eine enge Zusammenarbeit.


80 Jahre Frauenordination im Judentum

Zur Rolle von Frauen in Führungspositionen von Religionsgemeinschaften

 

2015 jährt sich die Ordination von Regina Jonas (Berlin 1902– Auschwitz 1944) zum 80. Mal. Ihr Rabbinatsdiplom markiert den Anfang der Gleichberechtigung jüdischer Frauen auch im geistlichen Amt, die allerdings mit der Schoa ein jähes Ende nahm. Als 1972 in den USA Sally Priesand ordiniert wurde, galt diese für lange Zeit als erste Rabbinerin der Welt. Dass vor ihr bereits 1935 eine Absolventin der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums diesen Status erreicht hatte, gelangte erst in den 1990er Jahren wieder ins öffentliche Bewusstsein. Die international und interdisziplinär ausgerichtete englischsprachige Konferenz „The Role of Women’s Leadership in Faith Communities“ will zum einen die erfolgreiche Emanzipationsgeschichte jüdischer Frauen in Deutschland ins öffentliche Gedächtnis zurückrufen. Der Vergleich mit Reformprozessen in den Kirchen zeigt die Nähe von Judentum und Christentum in ihrer jeweiligen Auseinandersetzung mit Tradition und Erneuerung. Die Konferenz soll Grundlagen für eine wissenschaftliche Historisierung und Kontextualisierung feministischer Aufbrüche im Judentum schaffen und dazu beitragen, die jüdische theologische Frauenforschung in Form eines Netzwerkes oder auch einer Forschungsstelle zu verstetigen und zu institutionalisieren.

 

Referent/innen: Bradley Shavit Artson (US), Rachel Elior (IL), Edyta Gawron (PL), Atina Grossman (US), Walter Homolka, Elisa Klapheck, Pamela S. Nadell (US), Gail Twersky Reimer (US), Shuly Rubin Schwartz (US), Esther I. Seidel (GB), Christina von Braun, Katharina von Kellenbach (US), Anna Chipczynska (PL)

 

 

Studientag

Am Mittwoch, d. 17.06.2015, findet von 10.00-16.00 h ein Studientag der School of Jewish Theology statt, zu dem alle herzlich eingeladen sind. Wir würden uns freuen, Euch dort begrüßen zu können.

 

Der Ort ist Haus 2 im Campus am Neuen Palais.

 

Das Thema ist ‚Pluralismus und Intoleranz in der jüdischen Tradition‘. Dazu werden verschiedene in sich abgeschlossenen Schiurim (Lehreinheiten) durchgeführt, die sich an diesem Oberthema orientieren:

 

10.00 h   Bibel                    Interkulturelle Ehen als Problem        Dozenten: Prof. Dr. R. Liwak und Frau S. Graebner

11.00  h  Nachbiblisch      Pluralism-Sectarianism in the Second Temple Era     Dozentin: Prof. Dr. H. Tzoref

12.00 h   Rabbinisch         The Battle for Tolerance and Pluralism in Judaism     Dozent: Dr. Rabbi H. Meirovich

13.00  h   Lunch

14.00  h   Modern               Andere Religionen aus jüdischer Sicht    Dozent: Rabbi N. Ederberg

15.00  h   Abschluss-

                diskussion      Jüdische Texte wissenschaftlich und jüdisch lesen


Neu: Masterstudiengang ab dem Sommersemester 2014

Kontakt

Universität Potsdam

School of Jewish Theology
Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam
Tel.: 0331/ 977-1191
Fax: 0331/ 977-1193
E-mail: gkujawa(at)uni-potsdam.de

Grzegorz Kujawa

 

Universität Potsdam, Philosophische Fakultät, School of Jewish Theology