uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Jüdische Theologie - Entstehungsgeschichte

Der Wissenschaftsrat ist im Januar 2010 zu der Überzeugung gelangt, dass der zentrale Ort der christlichen und nichtchristlichen Theologien das staatliche Hochschulsystem darstellt. In der Regel sollte eine Verankerung von Theologien – gleich welcher Konfession oder Religion – im staatlichen Hochschulsystem Priorität vor der Neugründung eigener privater Hochschulen der Kirchen und Religionsgemeinschaften haben. Der Wissenschaftsrat hat die weitere Entwicklung der Theologien im Kontext der anderen Wissenschaften in den staatlichen Hochschulen empfohlen und nachdrücklich für den bedarfsgerechten Umbau christlicher Theologien und die bedarfsgerechte Etablierung nichtchristlicher Theologien an deutschen Hochschulen plädiert.

Mit der Einrichtung von Islamischen Zentren in deutschen Hochschulen hat die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan klare Akzente für eine akademische Imamausbildung gesetzt. Auch der Wissenschaftsrat hat in diesem Sinne empfohlen, Theologie gehöre weiterhin in die Universität, und beileibe nicht nur das Christentum - schon um Tendenzen religiöser Fundamentalisierung vorzubeugen. Wie aber steht es mit dem Judentum? Rabbiner Abraham Geiger (1810-1874) war es, der bereits 1830 forderte, die Ausbildung von Rabbinern der christlicher Geistlicher gleichzustellen. Für ihn war dies der Test, ob die jüdische Emanzipation gelungen sei. Als er 1872 schließlich die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin errichtete, war diese aber eben kein Teil der Friedrich-Wilhelms-Universität. Erst 1912 sprach sich der evangelische Theologe Martin Rade für die Errichtung einer akademischen Rabbinerausbildung aus: „Wir fordern eine jüdisch-theologische Fakultät im Interesse der deutschen Kulturnation“. Der renommierte Alttestamentler Hermann Gunkel antwortete Martin Rade darauf: "Was ich persönlich von jüdischer 'Wissenschaft' kennen gelernt habe, hat mir nie einen besonderen Respekt eingeflößt. Unsere jüdischen Gelehrten haben zumeist noch nicht einmal die Renaissance erlebt!" Gunkels Ablehnung obsiegte und mit der Schoa setzte die Kulturnation Deutschland einen grausamen Endpunkt.

Hans Michael Heinig, Leiter des kirchenrechtlichen Instituts der EKD, beschreibt die aktuelle Herausforderung so: „Die forcierten Bemühungen, Zentren für islamische Theologie an staatlichen Universitäten zu etablieren, böte eine gute Gelegenheit, staatlicherseits anzubieten, auch eine autonome Organisationseinheit für jüdische Theologie mit eigenem Promotions- und Habilitationsrecht zu schaffen." Mit der Entscheidung, eine „School of Jewish Theology“ zu errichten, hat die Universität Potsdam gezeigt: Jüdische Theologie ist keine der deutschen Universität unwürdige Disziplin. Der Bund hat durch das Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg den Grundstein gelegt, das Land Brandenburg die notwendigen Professuren eingerichtet.