Professur für Jüdische Religions- und Geistesgeschichte
Ob es sich um zeitgenössische jüdische Philosophie, avancierte Theorie, chassidische Divre Tora, mittelalterliche Mystik, rabbinisches Denken oder Zugänge zu historischen Phänomenen handelt – ich verstehe und versuche zu vermitteln, dass diese einen lebendigen, interdisziplinären Dialog von Jüdinnen und Juden (und Nichtjuden) darstellen, die das Judentum und das Jüdischsein denken und praktizieren.
Ich bin ein großer Befürworter des Studiums primärer Quellentexte. Aus erster Hand Kenntnis und Vertrautheit mit den Werken jüdischer Denkerinnen und Denker über die Jahrhunderte hinweg zu gewinnen, übertrifft bei weitem das Hören von Sekundärvorlesungen über diese Werke. Da die Fähigkeit, in den Originalsprachen jüdischer Traditionstexte zu arbeiten, von entscheidender Bedeutung ist, biete ich jeden Semester einen Kurs zur Lektüre mittelalterlicher und frühneuzeitlicher hebräischer Texte an. Dabei lesen wir die Quellen im Original, übersetzen sie Zeile für Zeile und bemühen uns zunächst um ein Verständnis der sprachlichen Grundebene, bevor wir die Bedeutungsebenen des Textes und des Autors erschließen.
Als derzeitiger Direktor der School of Jewish Theology bemühe ich mich, eine lebendige Atmosphäre für unsere Studierenden und Lehrenden zu schaffen. Gastvorträge, wissenschaftliche Tagungen, Filmvorführungen und Exkursionen zu Orten von lokalem Interesse bereichern unser reguläres Lehrangebot. Zu den jüngeren akademischen Konferenzen, die wissenschaftliche Forschung mit aktuellen öffentlichen Debatten verbinden, gehörte eine Tagung zu jüdischen Aspekten der Frankfurter Schule. Im vergangenen Jahr leitete unsere Hebräischlehrerin Yael Gaulan eine Filmreihe mit zeitgenössischen israelischen Filmen. Zu den Vorträgen und Veranstaltungen mit Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern in den vergangenen Jahren zählten: ein Vortrag über Pilgerfahrten von Nichtjuden zu ungarischen chassidischen Rebbes von Sam Shuman, eine Vorführung eines neuen Films über die jüdische Beteiligung an afro-brasilianischen synkretistischen Religionen mit anschließendem Gespräch mit Regisseur Alex Minkin sowie eine weitere Vorführung mit Diskussion von Yair Qedars Film über Sigmund Freud, The Outsider.
Als Erweiterung meines pädagogischen Auftrags gründete ich 2017 die Jewish Activism Summer School (Berlin), die ich bis heute leite. Bisher haben wir fünf Programme für Teilnehmende aus aller Welt durchgeführt – jüdische wie nichtjüdische. Allein der Jahrgang 2025 stammte aus Argentinien, der Türkei, Indien, den USA, Frankreich, Polen, Belgien, Deutschland, Israel, den Niederlanden und England. Die sechste Ausgabe ist für den Sommer 2026 geplant. Ich verstehe JASS als eine Art Wissenstransfer-Programm für die Geisteswissenschaften, das das Beste der Jüdischen Studien über den Elfenbeinturm der Akademie hinaus zugänglich macht. Das Kursangebot bringt Textarbeit, historische Fallstudien, Methoden und Praxis sowie Berlin als lebendes Labor effektiver und innovativer Organisationen, Museen und historisch bedeutsamer Orte miteinander ins Gespräch. Über den Rahel-Varnhagen-Lesekreis veranstaltet JASS regelmäßige Treffen für lokale Interessierte, die sich mit Texten und Themen rund um jüdische Identität, Politik und Aktivismus – vergangen und gegenwärtig – auseinandersetzen möchten.
In dem Bestreben, jüdisches Denken in die Praxis zu überführen, gründete ich 2019 das Green Sabbath Project, das ich weiterhin leite. Das Ziel ist einfach: eine Massenbewegung von Menschen zu schaffen, die einen wöchentlichen Ruhetag begehen – auf die eine oder andere Weise, ob in traditionell-religiöser Form oder durch kreative, zeitgemäße Praktiken – aus ökologischen Gründen, als grünes Ritualangebot.
Dies sind einige der Wege, auf denen ich versuche, die School of Jewish Theology als dynamisches und zukunftsorientiertes Institut lebendig zu halten.
Prof. Dr. Jonathan Schorsch
Campus Am Neuen Palais / Haus 15, Raum 2.01
E-Mail: jschorschuuni-potsdampde
Akademische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
Michael Lesley
Campus Am Neuen Palais / Haus 15, Raum 2.06
E-Mail: michael.lesleyuuni-potsdampde
Sprechzeiten: Dienstag, 13-14 Uhr | bitte per mail anmelden
Michael Lesley promoviert an der Harvard University über die Ursprünge des deutschen philosophischen Antisemitismus in der deutschen Aufklärungstheologie.
Er hat sein Bachelor- und Masterstudium in Jüdischen Studien an der University of Maryland, College Park, mit einem Schwerpunkt auf Qumran und biblischer Literatur absolviert.
Zu seinen Interessengebieten gehören Geschichte der Bibelauslegung, Geschichte der liberalen Religion, deutsch-jüdische Geschichte und Denken, politische Theorie und Religion sowie die Geschichte des Antisemitismus.
Uriel Aiskovich, M.A.
Uriel Aiskovich ist Doktorand an der Universität Potsdam. Seine Forschung untersucht das Bildungspotenzial digitaler Spiele für kritisches Denken, Identitätsbildung und interkulturellen Dialog in der zeitgenössischen jüdischen Bildung. Darüber hinaus koordiniert er die Jewish Activism Summer School (JASS).